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Wohin nur mit der Paketflut?

 

Die – auch bedingt durch Corona – weiter rasant wachsende Zahl an Onlinebestellungen und daraus resultierende stetig ansteigende Paketflut, wird nicht nur für die Paketdienstleister, sondern auch für viele Städte ein immer ernstzunehmenderes Problem.

Roger Hillen-Pasedag, damals Bereichsleiter Innovation & CR des Logistikunternehmens Hermes Germany, erläuterte bereits 2018 in einem Interview mit BOSS (Bürowirtschaft International), welche verschiedenen Ansätze es für die Zukunft der Paketzustellung gibt. In den Ausbau der eigenen Infrastruktur würden beispielsweise dreistellige Millionenbeträge investiert. Doch gerade im Bereich der Paketzusteller stoße das Unternehmen an seine Grenzen. Das Problem ist, dass immer weniger Menschen diese Tätigkeit ausüben wollen. Gerade deshalb sind neue Lösungsansätze - auch in den Bereichen E-Mobilität und alternativen Zustellsystemen gefordert.

In den urbanen Zentren müsse nach Hillen-Pasedag die Logistik neu aufgesetzt werden. Als Beispiel: City-Hubs oder Micro Depots, aus denen heraus die Zusteller Pakete mit Elektrofahrrädern ausfahren können.  Die Umstellung der innerstädtischen Logistik ist nicht nur Aufgabe der Logistikunternehmen, da auch eine neue Infrastruktur ist notwendig ist, z.B. mit Micro Depots und Ladestationen für Elektrofahrzeuge. Die Unterstützung der Kommunen ist daher stark gefordert.

Eine weitere Zukunftsoption wäre die Auslieferung mithilfe von Paketrobotern. Bei solchen Projekten war der Nutzen für den Endkunden allerdings bislang zu gering, um einen solchen Service jetzt flächendeckend anzubieten.

Doch was ist eine der Hauptursachen für die enormen Herausforderungen der Zustelldienste? Es ist leider so, dass viele Pakete an die Haustür gebracht werden, obwohl die meisten Menschen tagsüber nicht zu Hause sind. Wenn Pakete nicht direkt zugestellt werden können, verursacht dies zusätzliche Fahrten - zurück ins Depot, zur Paketfiliale und zur Abholung durch den Paketempfänger. Daher stellt sich die Frage, wie man den Paketstrom so effizient gestalten kann, dass die Zustellung sich möglichst optimal in den Alltag der Konsumenten integrieren lässt. Dies könnte über eine Zustellung am Arbeitsplatz, in Einkaufsstätten oder zentrale Knotenpunkte im Wohnort erfolgen. Deswegen ist es fraglich, ob es die klassische Paketzustellung an der Haustür auch in Zukunft geben wird oder ob dafür nicht zumindest ein Preisaufschlag fällig wird.  Wichtig für eine Veränderung ist aber auch ein Umdenken der Kunden hinsichtlich des eigenen Paketempfangs.

Beim Thema Drohnen sieht Roger Hillen-Pasedag (noch) keine effiziente Möglichkeit, um große Paketmengen zu transportieren. Die Drohnenzustellung eigne sich eher für Inseln oder sehr entlegene Gebiete.

Den Kofferraum als Paketablage zur Verfügung zu stellen, hält er zwar für eine Art Premium Zustellung, jedoch für die Zustellung vieler Pakete nicht geeignet. Die Autos sind hierfür zu wenig „connected“, um diesen Service zu betreiben. Außerdem stehen die Fahrzeuge nicht immer so, dass sie für den Paketzusteller gut zu erreichen sind. Hillen-Pasedag sieht die Zukunft der Paketzustellung eher in dem Potenzial von neuen Mobilitätskonzepten. In der USA werden beispielsweise bereits mobile Abholstationen getestet. Diese Art der Paketzustellung wird auch von der pakadoo GmbH im Rahmen des Projekts InKoMo 4.0 in Reutlingen erstmals untersucht.  

Presse-Kontakt:

Ulrike Morlock

E-Mail ulrike.morlock@pakadoo.de