Skip to main content

Die Welt nach Corona

 

Niemand kann genau vorhersagen, wie sie aussehen wird. Auch wir nicht. Trotzdem manchen wir uns wie viele andere Menschen Gedanken, wie es nach der Krise weitergeht. Wir halten nichts davon, die derzeitige Situation und ihre Auswirkungen zu verharmlosen. Wir halten jedoch viel davon, für die Zukunft daraus zu lernen: als Individuen, als Unternehmen und als Gesellschaft. Wir wünschen allen Betroffenen viel Kraft, starke Nerven und Gesundheit – und Ihnen viel Spaß beim Lesen.

 

Menschliches, Allzumenschliches, Zwischenmenschliches

Gefahr: Die Ellenbogen- oder Hamstermentalität verstärkt sich. Vor allem auch infolge der Wirtschaftskrise, steigender Arbeitslosigkeit und berechtigter Existenzängste stehen die meisten Menschen sich selbst am nächsten.

Chance: Die gelebte Solidarität in der Not schweißt die Menschen auch mittelfristig zusammen, besonders im direkten Umfeld. Vor allem in Städten kennen viele ihre Nachbarn kaum. Seien wir ehrlich: Den Namen der Personen, die im selben Stockwerk wohnen, kennen wir doch nur, weil wir hin und wieder ein Paket für sie entgegengenommen haben. Doch nicht nur die Hilfsbereitschaft könnte steigen, sondern auch der Mut, sich einzugestehen, Hilfe zu brauchen – infolge des wachsenden Bewusstseins, wie schnell wir unverschuldet in Not geraten können.

 

Gesundheitspolitik

Gefahr: „Krankenpflegerin kann von Applaus und Lob endlich ihre Rechnungen bezahlen“ titelte das Satire-Magazin „Der Postillon“ am 20 März. So sehr sich in der Krise alle einig sind, wie wichtig Pflegekräfte und eine gute Gesundheitsversorgung sind, so sehr besteht auch die Gefahr, dass dies nach der Krise wieder in den Hintergrund rückt. Schließlich haben wir doch alle – vom Spitzenpolitiker bis zum „Normalbürger“ – geklatscht und „danke“ gesagt. Doch schon im Normalzustand klagen Pflegekräfte seit Jahren über schlechte Arbeitsbedingungen und chronischen Personalmangel. Im schlimmsten Fall steigen nach der Corona-Krise Pflegekräfte aus ihrem Beruf aus, weil sie völlig ausgebrannt sind – und die Personalnot verschärft sich noch.

Chance: Die Politik denkt um und stoppt die Schließung von Krankenhäusern. Verbesserte Arbeitsbedingungen in Pflegeberufen führen dazu, dass wieder mehr Menschen einen solchen ergreifen wollen. Dadurch wird nach und nach der Personalmangel behoben. Wenn die Politik zu zögerlich an die Sache rangeht, machen die Bürgerinnen und Bürger Druck.

 

Selbstverständlichkeiten, die keine sind

Gefahr: Für uns war es bis vor kurzem selbstverständlich, uns bundesweit und innerhalb der EU frei bewegen zu können. Es war selbstverständlich, alles kaufen zu können, was der Geldbeutel hergibt. Vor der Krise war es selbstverständlich, Versammlungen zu organisieren oder daran teilzunehmen: vom Konzert über die Messe bis hin zur politischen Demonstration. Auch wenn es für die einschneidenden Maßnahmen momentan gute Gründe gibt: Auch vor Corona gab es immer wieder Bestrebungen, Grundrechte einzuschränken – manche versuchen jetzt, die Krise mit aller Macht auszunutzen. Deutschland ist zwar noch weit davon entfernt, in eine Diktatur zu schlittern – im Gegensatz etwa zu Ungarn, wo Ministerpräsident Viktor Orban derzeit versucht, das Parlament auszuschalten. Auf die Frage eines Reporters, ob nach der Corona-Krise die Grenzen innerhalb der EU wieder vollständig geöffnet werden, antwortete Bundeskanzlerin Angela Merkel zaghaft: „Ich hoffe es.“

Chance: Menschen begreifen, wie brüchig vermeintlich selbstverständliche Freiheiten, Möglichkeiten und Sicherheiten sind. Dies führt einerseits dazu, dass sie eben jene stärker zu schätzen wissen. Andererseits setzt bei manchen auch ein Umdenken ein, was eigenverantwortliches und rücksichtsvolles Handeln betrifft: Wären etwa von Beginn an mehr Menschen den Appellen nach „Abstand halten“ nachgekommen, wäre manches autoritäre Durchgreifen des Staates vielleicht nicht nötig gewesen.

 

Das große Ganze

Gefahr: Wir schlittern möglicherweise in eine Wirtschaftskrise, gegen die 2008 ein laues Lüftchen war. Die staatlichen Hilfen reichen vorne und hinten nicht. Viele Unternehmen gehen insolvent, noch weitaus mehr Menschen verlieren ihre Jobs. Einige wenige Global Player überleben und bilden Monopole. Die Schere zwischen Arm und Reich driftet schneller denn je auseinander.

 

Chance: Unternehmen und Regierungen denken um. Infolge der wirtschaftlichen Auswirkungen begreifen mehr und mehr Verantwortliche, dass die bisherige Konkurrenzordnung brüchiger und krisenanfälliger ist als angenommen. Unternehmen, Staaten und die Zivilgesellschaft setzen verstärkt auf Kooperation statt Konkurrenz und Verdrängung – oder erarbeiten zumindest Pläne für rasches, effektives, gemeinsames Handeln im Falle einer neuen Krise.

Presse-Kontakt:

Ulrike Morlock

E-Mail presse@pakadoo.de